Do as I do

23. February 2006 at 10:53 (Geheimnisse)

Bevor ich Euch ein Kunststück des Kalibers von Triumph entschlüssele (Video von gestern), müssen erst mal einige Grundlagen geschaffen werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber keine Sorge, das hier wird kein Zauberkurs. Obwohl…

Der folgende Trick ist ziemlich einfach, er erfordert keine Geschicklichkeit. Trotzdem grenzt er für den Zuschauer an ein Wunder, wenn er richtig vorgeführt wird. Der Laie meint in der Regel, entweder werde mit Trickkarten gezaubert oder der Magier sei so ausgebufft, dass er heimlich werweißwas mit den Karten machen kann. Nur in seltenen Fällen glauben die Zuschauer, der Vorführende habe tatsächlich magische Fähigkeiten und stehen verblüfft da. Dieses kleine Kunststück ist so eins – wenn es überzeugend vorgeführt wird.

Wenn jemand aus dem Kreis der Leser, falls es schon welche gibt, diesen Trick zuhause vorführen will: Unbedingt vorher üben, auch wenn es eigentlich ganz einfach ist! Nichts ist schlimmer als ein nicht funktionierender Zaubertrick. Wer zwischen den Zeilen liest, dass auch die Präsentation eine Rolle spielt: Richtig, gut aufgepasst. Bitte seid so gut und versaut diese lustigen Tricks nicht durch eine miserable Vorführung.

Do as I do

Was passiert: Zwei Kartenspiele mit unterschiedlichen Rückenfarben, also beispielsweise ein blaues und ein rotes, werden gemischt. Eines mischt der Zauberer, eines der Zuschauer. Die beiden tauschen die Spiele und streifen sie mit den Bildseiten nach unten (= bildunten) aus. Beide wählen aus ihren ausgestreiften eine Karte und prägen sie sich ein. Die ausgestriffenen Spiele werden wieder zusammengeschoben, die gewählten Karten kommen oben drauf. Dann werden die Spiele einmal abgehoben und zurückgetauscht. Nun sucht jeder für sich seine vorher zufällig gewählte Karte heraus und legt sie verdeckt vor sich hin. Beim Aufdecken zeigt sich das beinahe unmögliche: Beide haben dieselbe Karte gewählt.

So geht’s: Dieses Kunststück funktioniert mit ganz normalen Spielkarten und beruht auf der sogenannten Leitkartenmethode, das heißt: Der Zauberer muss sich – heimlich, versteht sich – eine Karte merken, mit deren Hilfe er später sein Wunder vollbringen wird.

Zwei Kartenspiele mit unterschiedlichen Rückenfarben, also beispielsweise ein blaues und ein rotes, werden gemischt. Eines mischt der Zauberer, eines der Zuschauer.

Der Zauberer merkt sich – zum Beispiel beim Zusammenschieben/Glätten der gemischten Karten – die unten liegende. Das ist die Leitkarte (nehmen wir für dieses Beispiel mal an, es sei der Pik Bube).

Die beiden tauschen die Spiele und streifen sie mit den Bildseiten nach unten (= bildunten) aus. Beide wählen aus ihren ausgestreiften eine Karte und prägen sie sich ein.

Zweierlei geschieht:

  1. Der Zuschauer erhält das Spiel, dessen unterste Karte dem Zauberer bekannt ist.
  2. Er wird sich seine Karte merken. Die, die der Zauberer gewählt hat, spielt keine Rolle (die kannst Du sofort wieder vergessen – lass Dir das aber nicht anmerken).

Die ausgestriffenen Spiele werden wieder zusammengeschoben, die gewählten Karten kommen oben drauf. Dann werden die Spiele einmal abgehoben und zurückgetauscht.

Nachdem die gewählte Karte oben drauf gelegt und das Spiel abgehoben wurde, liegt im Spiel des Zuschauers die von ihm gewählte Karte unter der Leitkarte (dem Pik Buben z.B.). Nach dem Tausch hat der Zauberer genau dieses Spiel wieder in Händen. Was mit dem Spiel der Zauberers passiert, ist egal. Der Zuschauer kennt seine Karte ja und wird sie schon finden.

Nun sucht jeder für sich seine vorher zufällig gewählte Karte heraus und legt sie verdeckt vor sich hin.

Der Zuschauer findet seine Karte im Spiel des Zauberers problemlos, er hat sie sich schließlich gemerkt. Der Zauberer nimmt einfach die unter der Leitkarte (also hier im Beispiel dem Pik Buben) liegende.

Es zeigt sich das beinahe unmögliche: Beide haben dieselbe Karte gewählt.

Am Besten vor dem Aufdecken der Karten noch mal rekapitulieren, wie unmöglich es eigentlich ist, das zwei Leute aus zwei gemischten Spielen zufällig dieselben Karten auswählen. Ein Zuschauer, der sich auf sowas einlässt, wird verblüfft sein.
Probier das mal mit Dir selber aus und spiele beide Parts. Man glaubt es kaum, das oben beschriebene funktioniert tatsächlich!

Dieser Trick sollte eigentlich ziemlich bekannt sein – weil er technisch so einfach ist, kommt er in der magischen Literatur oft als Einsteigerbeispiel vor. Deshalb wird er wahrscheinlich so selten von Zauberern gezeigt. Viele Zauberer meinen nämlich, solche Einsteigerkunststücke seien ihrer unwürdig. Sie betreiben dann allerhand Aufwand oder benutzen Trickkarten, mit denen vermeintlich noch größere Wunder möglich sind. Dazu kommen wir hier auch noch, aber glaubt mir: Dieser Trick ist schon eine kleine Waffe.

Ach ja, man kann auch mit anderen Gegenständen zaubern als mit Karten. Später. Kartenmagie wird hier sehr dominant sein, schließlich ist sie ziemlich unterhaltsam. Und Ihr könnt es leicht nachmachen, wenn Ihr wollt. Ein, zwei Kartenspiele hat ja doch jeder bei sich rumliegen.

5 Comments

  1. poodle said,

    Mein lieber Herr Hokuspokus, stets auf der Suche nach faulen Taschenspielertricks, mit denen ich meiner Umgebung ein angemessenes Staunen abringen könnte, wurde ich sofort hellhörig, als ich las, dass Sie ein veritables Kartenkunststückchen enthüllen würden. Leider bin ich für Ihre Unterweisungen entweder ungeeignet oder Ihre Erklärungen sind zu kompliziert für mich. Ungefähr bei »Die beiden tauschen die Spiele und streifen sie bildunten aus.« verließ mich das Vermögen, Ihnen zu folgen und kehrte auch im weiteren Verlauf nicht mehr zurück. Was machen wir denn da? Haben Sie auch ein Video?

  2. hokuspokus said,

    Es freut mich sehr, Herr Poodle, dass gerade Sie Interesse an meinen Enthüllungen haben. Eine gewisse Komplexität weise diese Kunststücke leider alle auf. Ich will mich bemühen, künftig noch verständlicher zu formulieren, gerade Sie zu meinen Lesern zählen zu dürfen, ist mir eine große Ehre.

    Insbesondere, da Sie der erste “Laie” sind, dessen Interesse an meinen Schilderungen aufkommt. In Zaubererkreisen reagierte man auf die Ankündigung meines Vorhabens erwartungsgemäß mit Ablehnung und dem Versuch, mir meine Pläne auszureden.

    Die bemängelte Stelle habe ich soeben überarbeitet. Zum Glück gibt es auch noch die Kommentare, um Fragen zu klären. Deshalb gleich mal etwas ausführlicher: Bildunten heißt, mit den Bildseiten nach unten – im Gegensatz zu bildoben, wo die Rücken unten bleiben. Ausstreifen meint: Das Kartenspiel auf den Tisch legen und so in eine Richtung bewegen, dass die Karten um jeweils ein paar Zentimeter versetzt nebeneinander zu liegen kommen. Aber ohne Lücken zwischen den Karten. Nur der Rücken der ganz äußeren Karte ist vollständig zu sehen, von den anderen sieht man nur einen zentimeterkurzen Ausschnitt.

    Fürs Ausstreifen habe ich soeben ein Foto gefunden: http://www.elmago.de/2006_elmago/bilder/bilder_3/close-up_club_002.jpg

    Aber Sie haben Recht, ich brauche wohl eine Webcam, damit ich Ihnen zeigen kann, worum es geht.

  3. poodle said,

    Ob es an Ihren Verbesserungen und/oder zusätzlichen Erläuterungen lag, weiß ich nicht, aber jetzt habe ich es glaube ich begriffen. Kartenspiele sind selbstverständlich im Haus, aber ob ich oft auf Zuschauer treffe, die elegant ausstreifen und wieder zusammenschieben können, weiß ich nicht. Die meisten Menschen, die ich kenne, mischen Karten eher wie Kleinkinder es tun, da kommt bestimmt Freude auf. Ich teste das aber jetzt gleich mal im Selbstversuch.

  4. SeedLT said,

    schöner leichter kartentrick… hab ihn ehrlich noch nich gekannt, obwohl ich einige leitkartentricks kenne… mit einer kurzen karte würde sich die vom zuischauer gewählte karte noch schön effektvoll aus dem stapel ziehen…^^
    gruß

  5. hokuspokus said,

    Nur mal kurz, SeedLT: Schön, dass Dir der Trick gefällt.

    Falls ich Dich richtig verstehe und Du eine kurze als Leitkarte nehmen willst. Das würde ich lassen, denn: Hier kommt es gerade nicht auf elegantes Hervorzaubern an, sondern auf die scheinbare Unmöglichkeit, dass zwei Leute an dieselbe Karte gedacht (wenn man vorher nur an eine Karte denkt, mag es noch mysteriöser wirken) bzw. ausgesucht (so ist es hier beschrieben) haben. Das fixe Herbeiproduzieren wäre dann IMO zu auffällig und würde den Trick zuerstören.

    Wie so oft, wenn Zauberer versuchen, tolle Tricks immer weiter zu verbessern, obwohl sie schon ideal funktionieren. Nur meine Meinung, in Anlehnung an Ortiz, der ähnliches in “Strong Magic” darlegt.

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