Pferde satteln, weiter reiten
Ich hoffe, Do as I do sitzt inzwischen und hat die Kneipenbekanntschaften am Wochenende neugierig auf mehr gemacht. Ich weiß schon, was ich Euch als nächstes zeigen werde, warte damit aber noch, bis meine Webcam geliefert ist. Schon die einfachsten Kunststücke erfordern oft Erklärungen von Techniken, die viel komplizierter klingen, als sie in echt sind. Die Do as I do-Erklärung schien bereits recht abschreckend zu sein: Wenn Poodle, ein kluger Mann, soweit ich weiß, schon seine Probleme hat, den schriftlichen Erläuterungen zu folgen, dann steht der Normalsterbliche sicherlich da wie der Ochse vor dem Berg.
Freut Euch also auf Videos mit Vorführungen und Geheimnislüftungen. Ton gibt es übrigens nicht, meine Stimme ist zu markant. Im echten Zauberleben ist die Stimme übrigens sehr hilfreich: Indem man verbalen (und Blick-)Kontakt zum Publikum hält, kann man bestens von Schwächen in der Fingerfertigkeit ablenken.
Warten wir also auf das Eintreffen meiner Bestellung, dann geht es weiter. Vielleicht auch schon vorher, mir fällt da gerade ein schöner Vier-Ass-Trick ein, den man vielleicht auch ohne Filmchen erklären kann.
Augen auf beim Kartenkauf
Was für Spielkarten benutzen Zauberer? Oft heißt es: Am liebsten solche, die einem von Zuschauern in die Hand gedrückt werden – da besteht dann nämlich kein Zweifel, dass es sich um ein unmanipuliertes Kartenspiel handelt. Weil man aber nicht wissen kann, in welchem Zustand sich fremde Kartenspiele befinden, ob alle benötigten Karten noch drin sind und weil man seine Kunststücke auch trainieren muss, empfiehlt es sich für Zauberer, eigene Karten zu besitzen.
Am beliebtesten – auch wegen der Verfügbarkeit zahlreicher Trickkarten – sind die Bicycle-Spiele. Hier in Deutschland kennt die kaum ein normaler Mensch, es handelt sich dabei aber um stinknormale amerikanische Pokerkarten. Der Hersteller ist einer der größten Kartenmanufakteure weltweit (haben auch das 2003 an US-Militärs ausgegebene Most wanted-Spiel gefertigt).
Die Karten sehen schick aus, liegen gut in der Hand, obwohl sie etwas größer sind als die bei uns verbreiteten Skatspiele und sind nichtmal teuer. Ein Spiel vom Typ 808 mit blauen oder roten Rücken sollte nicht mehr als 4 Euro kosten (in Amerika zahlt man nur die Hälfte, aber das hilft Euch hier nichts). Es gibt neuerdings auch grüne und schwarze Spiele, die haben aber außer dem Neuheitenbonus nichts an sich, was den erheblich höheren Kaufpreis rechtfertigen würde.
Aber Leute, geht nicht gleich zu den Zauberhändlern, das ist zu verführerisch! In den Shops werdet Ihr außer Bicycle-Karten zuviele andere Sachen entdecken, von denen Ihr hinterher enttäuscht seid, wenn Ihr seht, welchen Mist man Euch da für teures Geld angedreht hat (natürlich haben die Requisitenhändler auch viele tolle Sachen im Angebot, aber die erkennt der Anfänger nicht als solche). Amerikanische Pokerkarten kriegt Ihr problemlos in Spielkartenläden oder Gamblerstores.
Do as I do
Bevor ich Euch ein Kunststück des Kalibers von Triumph entschlüssele (Video von gestern), müssen erst mal einige Grundlagen geschaffen werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber keine Sorge, das hier wird kein Zauberkurs. Obwohl…
Der folgende Trick ist ziemlich einfach, er erfordert keine Geschicklichkeit. Trotzdem grenzt er für den Zuschauer an ein Wunder, wenn er richtig vorgeführt wird. Der Laie meint in der Regel, entweder werde mit Trickkarten gezaubert oder der Magier sei so ausgebufft, dass er heimlich werweißwas mit den Karten machen kann. Nur in seltenen Fällen glauben die Zuschauer, der Vorführende habe tatsächlich magische Fähigkeiten und stehen verblüfft da. Dieses kleine Kunststück ist so eins – wenn es überzeugend vorgeführt wird.
Wenn jemand aus dem Kreis der Leser, falls es schon welche gibt, diesen Trick zuhause vorführen will: Unbedingt vorher üben, auch wenn es eigentlich ganz einfach ist! Nichts ist schlimmer als ein nicht funktionierender Zaubertrick. Wer zwischen den Zeilen liest, dass auch die Präsentation eine Rolle spielt: Richtig, gut aufgepasst. Bitte seid so gut und versaut diese lustigen Tricks nicht durch eine miserable Vorführung.
Do as I do
Was passiert: Zwei Kartenspiele mit unterschiedlichen Rückenfarben, also beispielsweise ein blaues und ein rotes, werden gemischt. Eines mischt der Zauberer, eines der Zuschauer. Die beiden tauschen die Spiele und streifen sie mit den Bildseiten nach unten (= bildunten) aus. Beide wählen aus ihren ausgestreiften eine Karte und prägen sie sich ein. Die ausgestriffenen Spiele werden wieder zusammengeschoben, die gewählten Karten kommen oben drauf. Dann werden die Spiele einmal abgehoben und zurückgetauscht. Nun sucht jeder für sich seine vorher zufällig gewählte Karte heraus und legt sie verdeckt vor sich hin. Beim Aufdecken zeigt sich das beinahe unmögliche: Beide haben dieselbe Karte gewählt.
So geht’s: Read the rest of this entry »
Hello, world!
Worum es hier geht, steht im Mission statement.
Insbesondere wird mit dem verbreiteten Glauben aufgeräumt, die Zauberei sei die Angelegenheit eines kleinen Kreises Auserwählter. Der Magische Zirkel ist zwar eine Gruppe von Geheimniskrämern (Ausschluss bei Trickverrat), aber ohnehin ein Altherrenverein Auslaufmodell. Daher schonmal kurz: Jeder kann die Grundlagen der Zauberei leicht erlernen, insbesondere die Requisitenhändler legen weder dem Neuling, noch dem Neugierigen Steine in den Weg. Wer genug Geld hat, kann sich die meisten Utensilien kaufen, die man aus einschlägigen Bühnenprogrammen so kennt. Dazu später mehr.
Weil hier bei Hokus Pokus auch Trickgeheimnisse gelüftet werden sollen, will ich noch folgendes anmerken: Eine erfolgreiche Vorführung besteht aus mehr als nur der Anwendung eines Trickprinzips. Jahrelanges Training, die Fähigkeit, ein dramaturgisch passendes Programm auf die Beine zu stellen und das Wissen, wie mit dem Publikum umzugehen ist, kann man nicht kaufen. Vorführende, die ihre Zuschauer begeistern, verdienen auch dann Respekt, wenn man weiß, wie es technisch funktioniert. Oft erst dann, denn einige Kunststücke, Griffe und Techniken sind höllisch schwierig.
Zum Einstieg mal ein kleines Video: Hier.
Hat jemand Interesse, die grundlegenden Prinzipien des Klassikers, den Denis Behr da in Perfektion zeigt (weit besser als ich es je könnte, übrigens), zu erfahren? Stay tuned.